Nonnenversammlung Dolma Lhakang

Heiße Debatte im Schneegestöber von Dolma Lhakang

Eine kurze Video-Szene von einer Debattier-Übung haben wir aus Dolma-Lhakang erhalten:

Die Ausbildung von tibetischen Mönchen besteht unter anderem auf einem umfassenden Studium der wichtigsten philosophischen Texte des Buddhismus. Manche Texte werden sogar komplett auswendig gelernt. Schon die kleinen Mönche am Anfang ihrer Ausbildung lernen, ihr Wissen mit Hilfe der Debatte zu vertiefen, indem sie das Gelernte in der Debatte analysieren. Bei den Debatten gibt es Verlierer und einen Gewinner. Der Schiedsrichter entscheidet darüber. Die Debatte gilt als ein wichtiges Mittel, den Geist lebendig zu erhalten und kritisches Denken zu schulen.

Das Debattieren gehört seit Buddhas Zeiten zur buddhistischen Tradition. Im Buddhismus der Tibeter hat es diese besondere Form angenommen. Die Mönche üben das Debattieren meistens in einer Dreiergruppe. Einer ist der Herausforderer, einer der Verteidiger und einer der Schiedsrichter. Der Verteidiger sitzt, während der Herausforderer vor ihm steht. Der Herausforderer, der auf den sitzenden Verteidiger zugeht, klappt die Arme zusammen und klatscht in die Hände, was eine symbolische Bedeutung hat. Mit Worten versucht er, das vom Verteidiger Gesagte zu widerlegen, während der Verteidiger mit neuen Begründungen seinen Standpunkt verteidigt.

Wer die Debatte gewonnen hat, entscheidet der Schiedsrichter, der die ganze Debatte aufmerksam mitverfolgt.

ROKPA Deutschland e. V. unterstützt das Kloster Dolma Lhakang z. B. :

Wir freuen uns auf Ihre Spende!

Dolma Lhakang Retreathaus Header

Klausurhaus von Dolma Lhakang durch Regenfälle zerstört

Mitte Juli 2017 gab es in Tsawagang derartig starke Regenfälle, dass das Klausurhaus, das zum Kloster Dolma Lhakang gehört, völlig zerstört wurde. Die zwölf Mönche, die im dritten Jahr der traditionellen Drei-Jahres-Klausur waren, mussten die Klausur unterbrechen.

Noch in diesem Jahr soll mit dem Wiederaufbau des Gebäudes begonnen werden. Die Drei-Jahres-Klausur ist ein wichtiger Bestandteil in der Ausbildung der Mönche, ein wichtiger Bestandteil der Kulturarbeit im Kloster Dolma Lhakang.

Wir bitten um Spenden mit dem Verwendungszweck „Wiederaufbau Dolma Lhakang“.

Wir haben dazu ein eigenes Projekt nebst Dokumentation eingerichtet.

Nonnen von Karphu Gön Header

Warum ROKPA Menschen in Klöstern unterstützt

Seit Jahrhunderten ist es in Tibet Brauch, dass mindestens ein Familienmitglied, Sohn oder  Tochter, eine Ausbildung im Kloster genießt. Diese Tradition hat sich bis heute erhalten. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Einerseits gilt es als religiös sehr verdienstvoll, dass ein Familienmitglied sich ganz der religiösen Praxis widmet. Andererseits war es Brauch, dass die
Familie durch die Bildung des Sohnes oder der Tochter im Kloster auch Zugang zur Bildung bekam: denn diese unterrichteten die kleinen Kinder in der Familie im Lesen und Schreiben.

Dazu kommt, dass Klöster wie Gemeindezentren sind, in denen sich die Bevölkerung zu Festlichkeiten trifft, wo man Rat und Hilfe beim Lama findet, wohin man alte und kranke  Familienmitglieder in Pflege bei der Nonne oder dem Mönch aus der Familie geben kann, wenn  man als Nomade im Sommer über Land zieht und wo man auch mal Gepäck abstellen kann oder ein Pferd vorübergehend lässt.

Heutzutage hat die Ausbildung im Kloster für die jungen Menschen in den tibetischen Gebieten nicht an Zugkraft  verloren. Insbesondere in den abgelegenen Regionen mit schwacher  Infrastruktur bietet sich eine Ausbildung im Kloster als eine Möglichkeit, nicht allzu fern von der Familie eine traditionelle Ausbildung ganz in tibetischer Sprache zu erhalten.

Traditionell war es immer die Familie, die das Essen und die Kleidung für ihren Mönch, ihre Nonne aus ihren Reihen bezahlte und ihnen sogar ein Häuschen auf dem Klostergelände baute.  Doch immer weniger Familien können sich das leisten in den strukturschwachen Gebieten. Im  Gegenteil, es führt die Familien in ein Dilemma: einerseits wird der Entschluss begrüßt, wenn die jungen Leute sich für eine Ausbildung im Kloster entschließen, andererseits fehlen diese dann  als Arbeitskräfte, die nicht zum Familieneinkommen beitragen, das nach wie vor in der  Großfamilie vom Ältesten verwaltet wird.

Weil es ROKPA ein großes Anliegen ist, die tibetische Sprache und Kultur zu erhalten,  unterstützen wir Menschen, die den Weg ins Kloster gewählt haben. Denn so unterstützen wir die tibetische Gesellschaft. Wir zählen dabei auf Ihre Hilfe! Bitte spenden Sie für Ausbildung in Tibet!

Leben in der Sheadra Header

Leben in einer Shedra

ROKPA unterstützt Mönche und Nonnen, die sich dem Studium widmen. So helfen wir Menschen und wir unterstützen den Erhalt der tibetischen Kultur. Das ist Teil unseres Ausbildungsprogramms. Bitte tragen Sie mit Ihrer Spende zu unserem Ausbildungsprogramm bei!

Hier finden Sie einen Bericht von Barbara Pfeiffer über den Tagesablauf eine jungen Mönchs:

Die Nacht ist vorbei, wenn morgens um sechs Uhr der Gong ertönt. Der kleine Mönch Thubten  schläft im gleichen Raum wie Tarsin, der schon viele Jahre Mönch ist. Tarsin kümmert sich um Thubten, schaut, dass er sich morgens die Zähne putzt und seine Hausaufgaben macht. Um  sechs Uhr morgens übt jeder Mönch eine Stunde lang, betet, meditiert, was ihm vom Lama  aufgegeben wurde. Anschließend versammeln sich alle in der großen Gebetshalle zur morgendlichen Puja.

Dem siebenjährigen Thubten knurrt inzwischen der Magen und er freut sich auf sein Frühstück, eine große Schüssel Tsampa, die Tarsin bereits vorbereitet hatte, bevor sie in die Gebetshalle gingen. In ihrem Zimmerchen haben die beiden zwei Matratzen auf dem Boden, ein Regal mit Büchern und Texten an der Wand, in der Ecke eine Kiste mit Ersatzkleidung und ein Gestell, in dem zwei Waschschüsseln ihren Platz gefunden haben. Seit Thubten vor einem Jahr hier  aufgenommen wurde, ist Tarsin wie Vater und Mutter für ihn.

Nach dem Frühstück beginnt der Unterricht. Der kleine Thubten muss erst mal die Grundlagen lernen, Lesen und Schreiben, deshalb geht er in eine Klasse mit all den anderen Buben, die erst seit kurzer Zeit im Kloster sind. Tarsin ist schon lange hier und studiert in einer der höheren  Klassen. Der erste Unterrichtsblock dauert von halb neun bis halb elf. Danach gestaltet sich der Rest des Vormittags unterschiedlich: manche von den älteren Schülern gehen in ihr Zimmer und lernen alleine, manche besuchen Vorlesungen zu bestimmten Themen. Je nachdem, in welcher Kursstufe sie sind. In der Klasse der Kleinen wird laut gelesen. Die Mittagspause beginnt um halb eins. Da die kleinen Mönche noch nicht selbst kochen müssen, können sie ein bisschen im Hof herumrennen und sich austoben, während ihre Tutoren das Essen kochen. Es ist üblich, dass die Mönche selbst für ihre Mahlzeiten verantwortlich sind, nur an großen Festtagen wird gemeinsam gegessen, sonst kocht jedes Zimmer für sich. Meist wird Reis mit Gemüse zubereitet, das geht schnell und macht satt.

Nach dem Essen sind alle Mönche im Hof. Schon die Kleinen lernen mit einfachen Lehrsätzen, das Debattieren zu üben. Es heißt, dass durch die tägliche Debattierübung der Verstand  geschärft und das Gelernte besser verarbeitet wird. Beim Debattieren sind die Mönche in Zweier- oder Dreier-Gruppen aufgeteilt. In wechselnden Rollen legen sie die Übung ab. Einer stellt eine These auf, der andere muss sie widerlegen oder denjenigen, der die These aufgestellt hat, zum logischen Beweis der These auffordern.

Anschließend versammeln sich alle Mönche wieder im großen Tempelraum, um gemeinsam
die Mahakala-Puja, ein täglich durchgeführtes Ritual zu praktizieren. Thubten muss heute während der Zeremonie den Mönchen Tee einschenken, eine Pflicht der Erst- und Zweitklässler, die er mit großem Eifer erfüllt. Eine Viertelstunde haben die Mönche anschließend Pause, bevor der nächste Unterricht beginnt. Wieder sitzen die dunkelrot gewandeten Mönche in  erschiedenen Klassen, lesen, hören dem Lehrer zu, schreiben ab, lernen auswendig.

Zum Glück hat Tarsin in der Mittagspause schon die Abendsuppe vorbereitet. Thubten hat schon ein Feuer im Ofen gemacht, damit die Suppe warm wird. Das Feuermachen hat er schon gelernt,  als er noch zu Hause bei seinen Eltern lebte, die in einem Dorf, nicht weit vom Kloster leben. Tarsin macht sich nach dem Abendessen zu einer weiteren Debattierstunde auf den Weg, während Thubten säuberlich die Schüsseln wäscht und das Zimmer fegt.

Jede hat festgelegte Pflichten die er erfüllen muss. Danach macht sich Thubten an seine Hausaufgaben. Er muss abschreiben und muss sich die Schreibweise der Wörter einprägen und auch noch etwas auswendig lernen! Um neun Uhr kommt Tarsin zurück. Er bringt heute zwei Gäste mit. Es ist sein Freund Jampa und dessen Schützling Norbu. Die vier trinken Tee, die  beiden Buben spielen und die beiden älteren schwatzen. Nicht jeden Abend geht es so lustig zu, manchmal machen sie auch Hausaufgaben in der Zeit zwischen neun Uhr und dem zu-Bett-gehen. Eine Regel hier besagt, dass jeder Mönch zwischen neun Uhr abends und halb elf  machen darf, was er möchte. Nur eines darf er noch nicht: schlafen. Denn auch die Schlafenszeit
ist fest geregelt: zwischen 22:30 und 6:00.  Wie in früheren Zeiten ist es auch heute bei jungen Tibetern noch populär Mönch oder Nonne zu werden. Das hat verschiedene Gründe. Ein wichtiger Grund für viele ist die Chance, etwas lernen zu können.

Insbesondere für junge Frauen oder Mädchen ist die Ordination zur Nonne eine attraktive  Alternative zum Leben als Frau und Mutter, auch wenn uns im Westen das Leben im Kloster als hart erscheint. Auch wer keine Familie mehr hat, Waise oder Halbwaise ist, sucht häufig den Weg in eine Klostergemeinschaft. Früher wie heute sind ordinierte Mönche und Nonnen in der tibetischen Gesellschaft hoch angesehen und Familien sehen es gerne, wenn wenigsten eines ihrer Kinder sich entschließt, diesen Weg zu gehen. Anders als in der christlichen Tradition bedeutet dies nicht die völlige Abkehr von der Familie.

Nonnen oder Mönche besuchen ihre Familien, wenn sie Zeit haben und kümmern sich um ihre  Verwandten. Der Besuch einer Shedra, einer Klosterschule und Klosteruniversität ist eine gute  Möglichkeit, die traditionellen tibetischen Wissenschaften zu studieren. Studienkurse in einer Shedra können nach der dreijährigen Grundausbildung in Lesen und Schreiben bis zu achtzehn  Jahre dauern und selbst dann wandern besonders lerneifrige Studenten zu anderen Shedras,  die ein Weiterstudium in anderen Texten oder Themen anbieten. Die tibetischen Wissenschaften unterscheidet zehn Fächer:

  • buddhistische Philosophie,
  • Logik,
  • Kunst-und Kunsthandwerk,
  • Medizin,
  • Grammatik,
  • Synonymik,
  • Mathematik und Astronomie/Astrologie,
  • Theaterkunst, Dichtkunst und Rhetorik.

Das Wissen ist ein Reichtum. Auf der materiellen Seite fehlt es aber an allen Ecken und Enden.

Tarsin und Thubten bekommen von ihrer Familie regelmäßig Tsampa-Mehl. Doch um gesund zu bleiben braucht es mehr. Im nächsten Ort müssen sie Reis, Nudeln, frisches Gemüse, Käse, Tee und Öl dazu kaufen. Der Besuch beim Arzt kostet Geld, ebenso die Anschaffung einer Brille und neuer Schuhe. Auch die Fahrt zu den Eltern in den Ferien kostet Geld. Damit sie weiter lernen  und studieren können, kommt ROKPA für diese Kosten auf. Mit Ihrer Spende können Sie dazu beitragen, dass auch in Zukunft die Ausbildung von Nonnen und Mönchen finanziert werden kann.