Ambulanz von Yeshi und Chunga Lhamo in Betrieb

Bericht von Barbara Pfeiffer bei einem Besuch 2018:

Zatu oder auch Zaduo geschrieben ist einer der sechs Kreise, die zum Distrikt Yushu gehören. Man fährt 207 km bis Sahuteng, dem Hauptort des Kreises. Wir sind jetzt bei ca. 4.000 Metern Höhe, haben mehrere Pässe hinter uns, die zwischen 4.500 bis 4.800 Metern Höhe angaben. Der aufstrebende Ort Zatu, wo wie fast überall viel gebaut wird, liegt inmitten von bergigem Nomadengebiet, ist der Hauptort der Käufer und Verkäufer einer der wichtigsten Einnahmequellen der Tibeter, des „Jartsa Gönbu“, auf Deutsch Raupenblätterpilz, einem begehrten Bestandteil für tibetische und chinesische Medikamente. Es ist Sonntag und ich bin zu einem Familientreffen von Yeshis Verwandten eingeladen. Zwanzig Familien treffen sich außerhalb des Ortes auf einem Picknickareal. Als wir ankommen, wuselt es schon wie in einem Bienenkorb um die verschiedenen Zelte. Ich werde mit einem großen Hallo herzlich begrüßt und sofort mit gekochtem Yakfleisch, gekochten Kartoffeln, gefüllten Teigtaschen, wilden Yamswurzeln in Yoghurt und vielem mehr bewirtet. Dazu Tee ohne Ende. Die älteren Frauen haben sich in ihrer tibetischen Tracht herausgeputzt, tragen all ihren Schmuck um den Hals und auf dem Kopf. Später werden sich auch die jüngeren Leute für das Familienfoto in ihre Tracht umkleiden. In der Zeltmitte brodelt ein Kessel. Mal wird ein Nachschub an Yakfleisch gekocht, das in Hülle und Fülle vorhanden scheint, mal wieder heißes Wasser für den Tee bereitet. Den Dialekt hier verstehe ich kaum, einzelne Wortfetzen bekomme ich mit, aber auch, dass hier viele Ausdrücke benutzt werden, die ich nicht kenne. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als zu beobachten. Doch dann klingelt Chunga Lhamos Telefon. Es sind Patienten, die anrufen und Yeshi, Chunga Lhamo und ich machen uns auf in die Praxis. Die Patienten sind zwei Stunden gefahren, um sich hier behandeln zu lassen.

Menschen, die dort weiterhin wie ihre Vorfahren als Hirten leben und sich vor allem vom Ertrag, den die Tiere bringen ernähren, haben keine Teilhabe am allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung. Für sie ist Geld Mangelware und oft können sie sich einen Arztbesuch und den Kauf von Medikamenten nicht leisten. Doch bei Chunga Lhamo und Yeshi ist das anders. Sie behandeln die Patienten, die aus den Nomadengebieten zu ihnen kommen kostenlos, auch für die Medikamente müssen diese oft nichts oder nur wenig bezahlen. Das ist das große Anliegen dieses Arztehepaares. Chunga Lhamos Vater starb an einer einfachen Infektion in den Bergen, als sie noch ein kleines Mädchen war. Und so beschloss sie, Ärztin zu werden. Kurz nachdem wir die Praxis betreten haben, kommen auch die ersten Patienten an. Es ist ein Ehepaar. Rasch waschen sie die beiden Ärzte die Hände unter den Wasserhahn, der momentan noch Wasser aus einer Plastiktonne spendet. Wer zuerst dran kommt, ist schnell geklärt. Die Frau lässt sich von Chunga Lhamo befragen, Yeshi ist für den Mann zuständig. Niemand stört sich daran, dass ich dabei sitze und alles beobachte. Was jetzt folgt, scheint mir, einer gewissen Routine zu folgen. Zuerst gibt es ein kleines Gespräch, wo der Patient nach ihren Beschwerden gefragt wird. Dann fühlt die Ärztin den Puls an beiden Handgelenken. Anschließend muss die Frau ihre Zunge zeigen. Heute genügt das schon für eine Diagnose. Manchmal misst Chunga Lhamo noch den Blutdruck, tastet den Bauch oder ein anderes schmerzendes Körperteil ab. In anderen Fällen wird vom Patienten eine Urinprobe verlangt. Der Urin wird mittels verschiedener Methoden analysiert. Anschließend kommt es zur Diagnose und der Verschreibung der Medikamente. Inzwischen sind zwei weitere Patienten aufgetaucht, nehmen geduldig auf dem Sofa im
Wartebereich Platz, bis sie dran kommen.

Als Chunga Lhamo die Patientin ausreichend untersucht hat, stellt sie ihr die Medikamente für eine Woche zusammen. Das Gleiche geschieht bei Yeshi und dem Ehemann der Patientin. Er hatte über Schmerzen im Oberbauch geklagt. Dann kommen die beiden nächsten Patienten dran und auch hier konzentrieren sich die beiden Ärzte genau auf ihre Arbeit. Die beiden Ärzte machen sich genaue Notizen, führen eine Patientenkartei, für spätere Konsultationen. Ist die Diagnose klar, werden die Pulver oder Kräuterpillen aus den Gläsern und Schubladen zusammengestellt. Die Kräutermedikamente kaufen Chunga Lhamo und Yeshi aus einer Medikamentenmanufaktur in Nangchen, die wir auch schon besucht haben. In der Regel bekommt ein Patient jeweils für sieben Tage die Medikamente. Falls er dann mehr braucht, muss er oder sie noch einmal wiederkommen. Schließlich sind die Patienten versorgt und Yeshi erklärt mir noch seine Pläne für die Praxis. Ich bemängele, dass es immer noch kein fließendes Wasser im Raum gibt. Er erklärt mir, dass er noch Einiges vorhat. Der Glaskasten für die zahnärztliche Behandlung, den er selbst gebaut hat, müsse in einen anderen Raum, das verlange das Amt für Hygiene. Deshalb werde er dann dort in die Ecke das Wasserrohr von außen verlegen und eine ordentliche Spüle einrichten, wo auch das Desinfektionsgerät stehen wird. Ebenfalls steht noch der Bau einer Toilette im Hof aus. Bisher sind auf dem Nachbargrundstück noch Bauarbeiten im Gang. Im Zuge dessen wird Yeshi auch eine Toilette bauen. Ich will mir den Fortschritt im kommenden Jahr anschauen. Die Landpraxis von Chunga Lhamo und Yeshi ist ein Glücksfall für die Tibeter aus den Nomadengebieten. Sie können, wenn sie im Städtchen etwas zu besorgen haben, dort auch günstig medizinische Behandlung und sogar einfache zahnmedizinische Behandlung bekommen, die sie sich anderswo im Ort nicht leisten könnten.

Das alles kann geschehen durch Ihre Hilfe, Ihre Spende für medizinische Hilfe in Tibet! Danke!

Yeshi das Multitalent mit vielseitigem Einsatzwillen

In der Praxis hat er sehr viel Eigenarbeit geleistet, vom Verputzen und Malen der Wände bis zum Bau des Glaskastens und der Glasbehälter für die Medikamentenvitrine. Nun will er auch noch eine Wasserleitung verlegen. Doch seine Arbeit als Arzt verlangt ihm viel Flexibilität ab. Patienten rufen zu jeder Tages und Nachtzeit an, wenn sie Hilfe brauchen. Darüber hinaus fährt er mit Kollegen zu medizinischen Versorgungseinsätzen in die abgelegensten Berggebiete. Er gibt Vorträge über Prävention in Schulen und nimmt an Müllsammelaktionen teil. Dazu kommt, dass seine Frau Chunga Lhamo mit den vier Kindern die meiste Zeit in Yushu lebt, wo sie als Schulärztin arbeitet.

Ambulanz von Yeshi und Chunga Lhamo eröffnet

Als wir im Juni 2017 einen Besuch in Zatu machten, stand die neue Ambulanz bereits im Rohbau da. Yeshi und Chunga Lhamo, die seit 2011 gemeinsam eine Praxis für tibetische Heilkunde betreiben, hatten vor zwei Jahren bereits das dritte Mal umziehen müssen, weil die gemieteten Räume für anderes verwendet wurden. Da keimte der Entschluss, auf eigenem Grund und Boden eine Praxis zu bauen.

Gedacht, gesagt, getan: da Yeshi von seiner Familie ein Zwei-Zimmerhäuschen auf einem eigenen Grund bekommen hatte, worauf noch Platz war, wurde im Frühjahr 2017 mit dem Bau begonnen. Dafür hatten die beiden mutigen Ärzte, die inzwischen vier Kinder im Alter von 1 – 9 Jahren haben, einen Kredit bei einem Verwandten aufgenommen. Mit ihrer Praxis verdienen sie kein Geld, Yeshi arbeitet ehrenamtlich und die Medikamente werden kostengünstig abgegeben.

Das Familieneinkommen bestreitet Chunga Lhamo mit ihrer Anstellung als Schulärztin in Yushu, wo sie mit den vier Kindern lebt, wenn keine Ferien sind. Yeshi wiederum arbeitet in der Praxis, fährt in die Nomadengebiete zur ärztlichen Versorgung der Menschen dort und hat sich in den letzten Jahren weitergebildet, um auch zahnärztliche Hilfe anbieten zu können.

Das alles wäre ohne enormes Engagement dieses Ehepaares nicht möglich, aber auch nicht ohne die Hilfe von ROKPA mit Ihren Spenden.

Die Praxis wurde im April feierlich eröffnet: wie es der Brauch ist, mussten die Regale voll sein mit Medikamenten und ein befreundeter Arzt half Yeshi beim Umgang mit den Patienten, die schon Schlange standen. Ebenso wichtig war der Besuch von zwei Lamas, die die Praxis segneten.

Inzwischen ist auch der neue Zahnarztstuhl für die zahnmedizinische Behandlung eingetroffen, Yeshis ganzer Stolz. Zuvor mussten sich die Patienten mit Zahnproblemen auf einer Campingliege behandeln lassen. Diese Zeiten sind nun vorbei. Die neue Ambulanz ist an einer der neuen Hauptstraßen von Zatu gelegen und eine kostbare Bereicherung für den Ort, der das Zentrum einer abgelegenen Nomadenregion bildet. Hierher kommen die Menschen aus den Bergregionen um ihre Erzeugnisse zu verkaufen und für ihre Bedürfnisse einzukaufen. Eine  ärztliche Behandlung und Medikamente für wenig Geld bedeutet großen Segen für die  Menschen hier in der ländlichen Region, in denen die Einkommen sehr gering sind.

Mit Ihrer Spende mit dem Stichwort „medizinische Hilfe in Tibet“ bewirken Sie viel!

Praxis Tibetische Medizin Header

Besuch bei Chunga Lhamo und Yeshi Sommer 2017

Reisebericht von Barbara Pfeiffer

Dank besserer Straßen kann man Zatu inzwischen von Yushu aus in ca. vier Autostunden erreichen. Wir haben Mitte Juni und kommen über mehrere Pässe. Dort hat sich der Dauerregen in Schnee verwandelt. Unterwegs halten wir in einem Dorf, weil es einen Laden gibt. Interessant, was man hier alles kaufen kann: im Prinzip alles! Von Batterien über Süßigkeiten zu Reis, Schuhen und Hüten! Ich fühle mich an den Laden von Frau Was bei Jim Knopf von der Augsburger Puppenkiste erinnert. Alles, was der Mensch in dieser abgelegenen Gegend, weit vom nächsten größeren Ort so braucht, gibt es hier.

In Zatu erwarten uns Chunga Lhamo und ihr Mann Yeshi bereits. Auch die Kinder sind dabei im Auto. Wie die Orgelpfeifen, die drei Mädchen und der Bub, noch ein Säugling. Ich bewundere die Energie, mit der Chunga Lhamo das alles meistert. Wir fahren zum Haus der Schwiegereltern, das momentan leer steht. Die ganze Familie ist unterwegs. Von Mai bis Juli graben die Tibeter nach dem „Jartsa Gönbu“, das ist zu Deutsch „Sommergras-Winterwurm“  (Ophiocordyceps sinensis, Chinesischer Raupenpilz), eine Spezies, die hauptsächlich hier im Hochland vorkommt und ein wichtiger Bestandteil sowohl für Medikamente der tibetischen als auch chinesischen Heilkunde ist. Das macht ihn zur Haupteinnahmequelle der Familien in diesen Regionen. Mit Sack und Pack sind sie unterwegs, um dieses Halbwesen zwischen Pflanze und Tier auszugraben und dann auf dem Markt möglichst teuer zu verkaufen. Zatu ist einer der Hauptumschlagplätze für diese Ware. Der Jartsa Gönbu gilt allgemein als sehr vitaminreich und wird als Stärkungs-und Potenzmittel sowohl in der tibetischen als auch der chinesischen Medizin eingesetzt.

Nach einem Imbiss besuchen wir die Ambulanz der beiden Ärzte, die noch vorübergehend in einem Raum schräg über den Hof untergebracht ist. Dort finden wir in Regalen an der Wand Kräuterpillen in großen Gläsern, Kräuter, die in blauen großen Tonnen gelagert werden, ein Desinfektionsgerät, abgepackte Medikamente in einer Vitrine. Darüber hinaus zeigt uns Yeshi seine zahnärztlichen Instrumente, mit denen er die Zähne seiner Patienten untersucht, flickt und auch zieht, wenn es notwendig ist.

Endlich geht es zum Neubau der Praxis, der auf Yeshis eigenem Grundstück steht. Damit ist sichergestellt, dass die Praxis nicht immer wieder umziehen muss, wie in den letzten Jahren. Der Rohbau ist fertig. Insgesamt gibt es drei Räume. Einer wird als Apotheke und Untersuchungsraum dienen, einer als zahnärztlicher Behandlungsraum und der dritte Raum ist für Patienten, die über Nacht bleiben müssen, gedacht. Der Bau wurde von Yeshi und Chunga Lhamo vorfinanziert durch ein Darlehen bei einem Verwandten. Nun können wir Ihr dank großzügiger Spenden, das Geld für den Bau übergeben. Noch ist einiges zu tun. Es fehlt ein Holzfußboden, Regale müssen angefertigt werden. Im Hof soll ein Brunnen gegraben werden und auch eine Toilette ist notwendig, die im Außenbereich sein wird, wie in den meisten traditionellen Häusern in Tibet. Die neue Praxis liegt an einer der neuen Straßen. Gegenüber ist ein Neubaugebiet. Sie wird leicht zu finden sein für die Patienten aus dem Ort und von außerhalb. Chunga Lhamo und Yeshi untersuchen die Patienten kostenlos, ebenso geben sie die Medikamente kostenlos oder zu einem geringen Preis ab. Deshalb wird in der Regel die Praxis gut besucht von all denen, die sich sonst einen Arztbesuch und eine Medikation nicht leisten könnten.

Das funktioniert nur wenn wir Spenden für medizinische Hilfe in Tibet bekommen. Ihre Spenden.

Yeshi ist ein viel beschäftigter Mann. Ein Aktivist. Sein Heimatort ist Zatu, wo er auch die gemeinsame Praxis mit Chunga Lhamo betreibt. Er behandelt nicht nur Patienten mit Erkältungen, Magen-Darm-Problemen und Rheumatismus usw., sondern kann auch Zähne behandeln oder ziehen. Wenn ihm Zeit bleibt, fährt er im Sommer in die umliegenden Nomadengebiete, um die dort lebenden Menschen medizinisch zu versorgen. Er gibt die Medikamente kostenlos an seine Patienten. Ein wichtiger Teil seiner Arbeit ist auch medizinische Aufklärung, insbesondere über die Prävention von HIV, Tb und andere hochansteckende Krankheiten. Doch nicht nur das, letzten Sommer hat er sie auch dazu angeregt, den in der Gegend herumliegenden Müll zu sammeln. Yeshi kann so aktiv sein, weil seine Frau Chunga Lhamo die Familie mit ihrem Gehalt ernährt und weil ROKPA die Medikamente bezahlt, die er an die Patienten gibt. Er selbst bekommt kein Gehalt. Wir wünschen uns, dass viele Menschen so aktiv sind wie Chunga Lhamo und Yeshi. Und wir möchten Chunga Lhamo und Yeshis Arbeit mit Ihrer Spende für medizinische Hilfe in Tibet unterstützen!

 

Chunga Lhamos Praxis

So vielen Menschen helfen wie möglich

Das ist das Motto von Chunga Lhamo: „Ich möchte so vielen Menschen wie möglich helfen.“ Die heute Anfang Dreißigjährige war neun Jahre alt, als sie das Glück hatte, einen Schulplatz in der Waisenschule von ROKPA in Yushu zu bekommen. Sie war in der ersten Gruppe von Schülerinnen und Schülern, die zu Ärzten der tibetischen Heilkunde ausgebildet wurden und 2006 ihr Diplom machten. Anschließend bekam sie ein Stipendium für Großbritannien, wo sie in Edinburgh zwei Jahre lang Englisch lernte und Computerkenntnisse erwarb. Dann ging sie zurück in ihren Heimatort Jelong, wo sie schnell einen Arbeitsplatz im tibetischen Krankenhaus bekam.

Dokumentarfilm von Sitar Rose http://www.sitarrose.com

„Seit mein Vater starb, als ich ein kleines Mädchen war, ist es mein großer Wunsch, Menschen in den ganz abgelegenen Gebieten zu helfen, die keinen Arzt in der Nähe haben und vielleicht deshalb sterben müssen, so wie mein Vater.“ Aus diesem Grund hat Chunga Lhamo 2011 mit ihrem Mann Yeshi zusammen eine eigene kleine Arztpraxis in Zatu, vier Autostunden von Yushu entfernt, aufgemacht.

„Unsere Behandlung umfasst Beschwerden von einfachen Erkältungen bis hin zu Bluthochdruck, Arthritis, Magen- und Gallenproblemen. Außerdem bieten wir zusätzlich einfache zahnmedizinische Behandlungen an, was uns von anderen Praxen unterscheidet.“ Im Sommer fahren sie in die Nomadengebiete und bieten Sprechstunden an für die Menschen, die sonst tagelange Fahrten zum nächsten Krankenhaus auf sich nehmen müssten. Chunga Lhamo leistet Geburtshilfe und beide machen Patientenbesuche zu Hause.

Das können sie leisten, weil die kleine Praxis Unterstützung von ROKPA bekommt. Bewusst hat sich das Paar dafür entschieden, dass Yeshi ganz für die Praxis zuständig ist  und Chunga Lhamo den Familienunterhalt mit ihrem Gehalt als Schulärztin in Yushu bestreitet. Inzwischen haben sie drei kleine Töchter und Chunga Lhamo arbeitet fast rund um die Uhr: von Montag bis Freitag in der Schule, am Wochenende in Zatu, dazu noch der Haushalt und die Kinder.

Yeshi hat eine Zusatzausbildung für zahnärztliche Grundbetreuung und schon so manchen Eiterzahn gezogen und Patienten von unerträglichen Schmerzen befreit. Nun gibt es eine neue Herausforderung. Die gemieteten Praxisräume mussten sie wegen Kündigung aufgeben und haben für den Übergang eine Notlösung gefunden.

„Wir bauen zwei Praxisräume auf unserem eigenen Grund, direkt neben unserem Wohnhaus. Das liegt direkt an einer neuen Straße und wird für die Patienten gut zugänglich sein. Die Baugenehmigung haben wir und einen Kredit von der Bank. Wir bitten um die Hilfe von ROKPA, damit wir diesen Kredit bald ablösen können!“

Chunga Lhamo und Yeshi haben sich ca. 9.000 Euro geliehen, um ihr Projekt dauerhaft und unabhängig zu machen, um möglichst vielen Menschen zu helfen. Wir bitten Sie, liebe Spender und Freunde von ROKPA, um Spenden für die medizinische Hilfe in Tibet, die dringend gebraucht wird.

Gesundheitsversorgung Chamdo Header

Karma Drakpa, Arzt in Chamdo

„ROKPA hat mir geholfen – jetzt ist es meine Pflicht, etwas für andere zu tun“ sagt Karma Drakpa, 34, der durch ROKPA die Chance hatte, Arzt für tibetische Heilkunde zu werden. Er hat neun Geschwister, stammt aus einer Bauernfamilie in Chamdo, Autonome Region Tibet. Die Chancen von ROKPA hat er gut genutzt. Heute arbeitet er als Arzt im tibetischen Krankenhaus in Chamdo.

Mit seinem Einkommen kann er nicht nur seine Frau und Tochter ernähren, sondern auch seine Eltern unterstützen. „Aber das ist nicht genug. Ich finde, ich muss etwas zurückgeben von dem, was ich durch ROKPA und Akong Rinpoche bekommen habe.“ Deshalb organisiert Karma Drakpa mit seinem Kollegen Tsegyal in seiner Freizeit Kampagnen für AIDS-Aufklärung und AIDS-Prävention.

„Speziell die Menschen auf dem Land haben keine Ahnung davon, wie die Krankheit übertragen wird. Ein großes Problem ist natürlich, dass über solche Dinge in unserer Kultur nicht gesprochen wird. Es ist ein Tabu-Thema.“

Krankenversorgung Chamdo

Damit sie möglichst viele Menschen erreichen, gehen die beiden Ärzte mit Flugblättern dorthin, wo sie viele Menschen treffen: auf Festlichkeiten, zu großen Veranstaltungen in Klöstern und Pilgerorten. Die Flugblätter sind auch für Menschen verständlich, die nicht lesen und schreiben können und sie erklären genau, wie sich der HIV-Erreger verbreitet und wie man sich am besten vor ihm schützen kann. Sie verteilen ihre Informationen, geben Beratung, Auskunft und praktische Hinweise.

„Ich hoffe, wir können so verhindern, dass sich noch mehr Menschen anstecken. Hier im ländlichen Raum ist die medizinische Versorgung nicht zum Besten. Wer sich hier mit AIDS infiziert, hat kaum eine Chance auf langes Überleben.“

Zusätzlich zur AIDS-Aufklärung bieten Karma Drakpa und Tsegyal kostenfreie ärztliche Untersuchung und kostenlose Medikamente für Bedürftige in und um das auf über 4.500 Metern gelegene Kloster Dolma Lhakang an.

„Die Menschen dort haben extreme Probleme durch das raue Klima. Chronische Krankheiten wie Gicht, Rheuma, Nierenleiden, Herzkrankheiten und Bluthochdruck sind an der Tagesordnung.  Doch viele können sich auch die relativ preiswerten und doch wirksamen, aus Kräutern und Mineralien bestehenden Medikament der tibetischen Heilkunde nicht leisten.“

Da ROKPA die beiden Ärzte bei ihrer Freiwilligenarbeit unterstützt, können sie Medikamente einkaufen und kostenlos an die Patienten abgeben. Mit Ihrer Spende für medizinische Hilfe können wir Projekte wie das von Karma Drakpa unterstützen! Danke!

 

ROKPA Heft 2016 Header

Aus Kindern wurden Leute

Sie waren acht oder neun Jahre alt und hatten eines gemeinsam: beide Eltern oder ein Elternteil waren gestorben und sie hatten keine Chance, in die Schule zu gehen und etwas zu lernen, denn in den 1990er Jahren mussten die Eltern noch Schulgeld bezahlen.

Doch dann kam im Jahr 1993 die Kunde, dass in der Stadt Yushu eine Schule für Waisen eingerichtet worden sei, wo die Kinder eine Ausbildung bekämen und Ärzte würden. Wer die Aufnahmeprüfung bestand, durfte bleiben. Die ersten Tage waren hart für die Kinder, ganz unter Fremden, in einer fremden Umgebung. Aber bald hatten sich die vierzig Kinder aneinander und an das neue Leben gewöhnt. Ein Leben mit festen Regeln, festen Mahlzeiten, strengen oder weniger strengen Lehrern und später sogar Lehrerinnen aus Großbritannien, die ihnen Englisch beibrachten.

Bis sie dann, im Jahr 2007 endlich, nach vielen Jahren des Lernens und Studierens, ein Diplom in der Hand hielten. Ein neuer Lebensabschnitt begann. Heute sind sie alle tätig in kleinen Dorfpraxen, als SchulärztInnen oder Leiter von medizinischen Einrichtungen, wie zum Beispiel des Arztes Tse Chu im Städtchen Zitu.

Eine Vision von Dr. Akong Tulku Rinpoche, die sich verwirklicht hat:

  • Vierzig junge Menschen bekamen eine Zukunft und können mit ihrem Einkommen heute ihre Großfamilien unterstützen.
  • Dort, wo die jungen Ärzte wirken, hat sich die medizinische Infrastruktur verbessert.
  • Die jungen Ärzte engagieren sich zusätzlich ehrenamtlich, indem sie an den Wochenenden in den Dörfern kostenlose Sprechstunden abhalten und Patienten medikamentös versorgen.

Dank ROKPA. Dank Ihrer Unterstützung für Ausbildung in Tibet!

ROKPA Ärzte in Yushu

Vordere Reihe von links nach rechts.

  • Droni (Ärztin in Nangchen, war vorher mehrere Jahre in Edinburgh zum Studium
    von Heilpflanzen)
  • Pema Youdron (Ärztin in Zado)
  • Yangche Lhatso (Ärztin und Geschäftsfrau)
  • Gantso (Arzt in Zado)
  • Tsöndrü, die vor ihrem schweren Unfall, seitdem sie querschnittsgelähmt ist, als
    Ärztin tätig war.

Hintere Reihe:

  • Palden Tsejal, der in Deutschland war und nun als Arzt und als Manager des Heilpflanzenprojekts in Nangchen arbeitet
  • Tse Chu: Leiter einer medizinischen Einrichtung in seinem Heimatort.
  • Pu Ya: heute pensioniert und früher Mädchen für alles in der Yushu Schule
  • Nyima Dhondrup (hinter Droni)
  • Damkar Rinpoche (auch bekannt als Dulmo Tschodsche Rinpoche)
  • Diana Dodd, frühere Englischlehrerin der Ärzte aus Yushu
  • Ganyi (Ärztin und Buchhalterin im Krankenhaus von Nangchen)
  • Rinchen Wangjal (Arzt und Partner von Tsondru)
  • Nyima Lhamo (Ärztin)
  • Norbu Dandu (Arzt im gleichen Krankenhaus wie Tse Chu)

Die Stupa im Hintergrund wurde zum Gedenken an Akong Rinpoche neu errichtet.  Stifter sind etwa 40 ehemaligen ROKPA-Studenten, von denen einige im Vordergrund zu sehen sind.

Die bemalten Steine rechts sind sogenannte „Mani-Steine“, d.h. sie sind mit dem Mantra „Om Mani Padme Hung“ bemalt.

Karma Öser tibetischer Arzt

Karma Öser – Ein Arzt der traditionellen tibetischen Heilkunde

Karma Öster Wangchuk ist nicht nur Arzt der tibetischen Heilkunde und seit über 48 Jahre im Dienst der Gesundheit sondern auch Abt des Klosters und ein hoch angesehener Geistlicher. ROKPA Deutschland e. V. unterstützt ihn und seine Patienten mit Spenden. Auf einer Reise zur Inspektion von Projekten treffen wir ihn dort, wo die Universität seines Klosters in einem rot getünchten Gebäude auf einem Hügel thront. Wir haben eine abenteuerliche und beschwerliche Reise auf Lehmstraßen hinter uns, denn dieser Ort ist wirklich abgelegen.

Karma Öser nimmt uns in seinem Wagen mit und wir machen noch einen Besuch unterwegs.
Das Erdgeschoss tibetischer Häuser dient als Lager und Abstellraum für Brennstoff und Vorräte. Über eine steile Holztreppe gelangt man in den ersten Stock zu den Wohnräumen. Wir werden in eine große Wohnküche gebeten, an der der Hausherr am Ofen hantiert, Holz nachlegt. An der Wand sind bunt bemalte regalartige Schränke, in denen blank polierte Gerätschaften aus Kupfer stehen. Man reicht uns Tee, Trockenfleisch und einen Joghurt, der so fest, sahnig und fast konkurrenzlos lecker ist.

Karma Öser Tibetische Heilkunde

Karma Öser schreibt einer Patientin die Medikamente auf ein Rezept

Während ich Joghurt schlecke, kommen die Patienten, die Karma Öser, den Arzt sehen wollen. Ganz dicht vor ihn setzt sich die junge Schwiegertochter des Hauses vor ihn auf den Boden. Karma Öser nimmt ihre Hand, fühlt sorgsam den Puls an verschiedenen Stellen an beiden Armen und er stellt leise und freundlich seine Fragen. Die junge Frau hat eine Plastikflasche mit gelblicher Flüssigkeit mitgebracht, der Arzt aufmerksam mustert und mir wird klar, dass es sich hier um eine Urinprobe handelt. Die Diagnostik in der tibetischen Medizin bezieht außer dem intensiven Fühlen des Pulses, der Inspektion von Zunge und Augen das Überprüfen der Farbe und Konsistenz des Urins mit ein. Dann schreibt Karma Öser das Rezept auf ein Blatt Papier, ebenso die Anleitung, wie häufig und in welcher Menge die Patientin die einzelnen Pillen nehmen muss. Anschließend kommen zwei Nachbarsfrauen, bei denen Karma Öser ähnlich verfährt. Bevor wir weiterfahren, geht Karma Öser mit einer Schale von ihm gesegneter Reiskörner betend durchs Haus indem er die Reiskörner in die Ecken wirft.

Der Ort Demkok liegt am Yangtse, der hier die Grenze zwischen der Provinz Sichuan und der Autonomen Region Tibet auf der anderen Seite bildet. Hier leben über 95% Tibeter. Der 16. Karmapa Rangjung Rikpe Dorje ist 1924 hier in Demkok geboren, woran eine Stupa in den Hügeln erinnert. Außerdem gibt es hier einen Tara-Tempel, den abends und morgens die Gläubigen mit ihren Gebetsketten umrunden.

Die Menschen kommen als Pilger in diesen Ort, aber auch um Karma Wangchuk Öser aufzusuchen. Er ist einer der wenigen Ärzte der tibetischen Heilkunde, die ihren Beruf von der Pike auf bei alten erfahrenen Ärzten gelernt haben. Diese Ausbildung dauert viele Jahre und beinhaltet außer dem Studium der Physiologie, Pathologie, Diagnostik und Therapie auch das Studium der Heilpflanzen, deren Vorkommen und die Herstellung der Medikamente.

„Früher sind wir in die Berge gegangen, um die Kräuter für die Pillen zu sammeln. Heute bin ich leider zu alt dafür und ich kaufe die tibetischen Medikamente aus Derge,“ sagt Karma Öser.
In der tibetischen Tradition bezahlt ein Patient lediglich für die Medikamente, die der Arzt verschreibt, es gibt aber kein Honorar für den Arzt.

Apotheke Tibetische Heilkunde

Apotheke mit Kräuterpillen aus der tibetischen Heilkunde

Die Patienten kommen schon ab 7 Uhr 30, um sich ärztlichen Rat und ein Rezept geben zu lassen. Dreißig bis vierzig Patienten sieht er täglich. Er verschreibt nicht nur Pillen, sondern gibt auch Ratschläge zur Ernährung und Lebensweise. Die Patienten, die er nicht selbst behandeln kann, schickt Karma Öser in die Klinik nach Dartsendo, zwei Tagesreisen entfernt. Seine Patienten kommen mit Gallenleiden, Magenproblemen, Husten, Erkältungskrankheiten und Leberproblemen zu ihm. Die Medikamente, die er verschreibt, sind jeweils für einen Zeitraum von sieben Tagen gedacht. Sie kosten je nach Zusammenstellung zwischen 2,50 und 4,50 €.

Wenn die Beschwerden sich nicht gebessert haben, muss der Patient wiederkommen. Die Pillen, die Karma Öser verschreibt, bekommen die Patienten nebenan in der kleinen Apotheke seiner Praxis. Hier sind sie in der Region die preisgünstigsten und wenn jemand kommt, der gar kein Geld hat, bekommt die Medikamente kostenlos. Das kann Karma Öser nur beibehalten, weil ROKPA seine Praxis unterstützt. ROKPA unterstützt die Praxis von Karma Öser Wangchuk, weil hier den Menschen vor Ort geholfen wird, weil hier die alte traditionelle Heilweise bei der Bevölkerung geschätzt wird und weil sie effektiv und günstig ist.

Wenn Sie das unterstützen möchten, geben Sie bei Ihrer Spende „Tibetische Medizin“ als Zweck an.